LŘgen bis sich die Balken biegen

Wirtschaft

Mangelnder Arbeitswille der Arbeitslosen?

Verhältnisrechung oder noch verhältnismäßig?

Wer kennt ihn nicht, den blasierten Jungmanager - Modell "Millionär in zwei Schritten", d.h. "Mach's wie ich, krempel die  Ärmel hoch und dann kommt der Wohlstand wie von selbst " - der die nächtlichen TV-Talkshows mit seinen seichten Weisheiten bereichert. Einer der kraftstrotzend anmeckert, dass sich auf seine Stellenanzeigen jeweils nur ein paar Dutzend der vier bis fünf Millionen Arbeitslosen beworben haben. Kaum einer der Bewerber wäre geeignet gewesen und im Prinzip wäre sowieso niemand der Bewerber arbeitswillig gewesen. Unter dem bejahenden Nicken und gefälligen Grinsen von konservativen und liberalen Politikern, aber auch solchen, die sich für sozial halten und gehalten werden, kulminieren seine wirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Erkenntnisse:

"Der mangelnde Wille und die fehlende Bereitschaft zu arbeiten sind der Kern unseres Problems. Wenn "die" nur arbeiten wollten, hätten wir kein Arbeitslosen-Problem mehr in Deutschland."

Leider hat unser neugebackener Firmenleiter keinen Blick auf die Statistik geworfen. Wahrscheinlich hätte es auch nichts genutzt, denn in Mathematik war er, wie er immer wieder stolz berichtet, in der Schule eine Niete gewesen. Nicht nur wegen der Algebra, vor allen Dingen fehlte es ihm wohl an logischem Denken, oder nur an dem Willen zu denken?

Wenn man die offizielle Arbeitslosenstatistik und die Zahl der offenen Stellen miteinander vergleicht, ergeben sich Zahlen, deren Verhältnis erschreckend ist, aber eigentlich jedem bekannt sein sollte: ca. 626.000 offene Stellen (Oktober 2006, Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland) stehen 4.084.000 Arbeitslose gegenüber.

Rein mathematisch gesehen heißt das, dass sich um jede offene Stelle mehr als sechs Arbeitslose bewerben (genaugenommen 6,5 Arbeitslose, aber was ist schon ein "halber"  Arbeitsloser). Also, was wenn sich alle ernsthaft  bewerben, was sie ja nach Meinung unseres dubiosen Ärmelhochkremplers bisher nicht tun? Was wenn dann die Unternehmer alle offenen Stellen besetzen? Dann bleiben immer noch fast 3,5 Millionen Menschen ohne Arbeit, die "jetzt" wirklich arbeiten wollen. Für die gibt es keinen Job mehr! Von den sechseinhalb Arbeitslosen konnte nur einer Glück haben, ähm Verzeihung Herr Direktor Ärmelhochkrempler, wir meinten natürlich: Einer hat dank seines Könnens und seines Arbeitswillens einen Job gefunden. Die anderen fünf und der halbe Arbeitslose können die nichts oder wollen die nicht? Damit hat er nichts zu tun, reibt sich unser Jungmanager wie Pilatus (siehe Pilatus-Spiel) seine Hände. Er kann schließlich - räumt er nun bescheidener ein - nur für seine kleine Firma sprechen.

Zahlen richtig zu interpretieren scheint auch in so einfachen und übersichtlichen Fällen wie dem geschilderten für viele ein Problem zu sein!





"Es gibt drei Arten von L├╝gen: L├╝gen, verdammte L├╝gen und Statistiken." (Benjamin Disraeli)

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