Die Grafik ist Teil der Aussage
Eine statistische Grafik zeigt nicht einfach nur Daten. Achsenbeginn, Wertebereich, Seitenverhältnis und Beschriftung beeinflussen, wie stark wir Veränderungen wahrnehmen.
Das historische Beispiel zum Bevölkerungswachstum in China demonstrierte genau diesen Punkt: Ein identischer Datensatz kann je nach Skalierung der vertikalen Achse dramatisch oder vergleichsweise nüchtern wirken.
Kernaussage: Eine verkürzte oder sehr eng gewählte y-Achse kann Unterschiede optisch vergrößern. Eine weiter gefasste Skala kann denselben Verlauf deutlich weniger spektakulär erscheinen lassen.
Warum das problematisch ist
Die Zahlen selbst müssen dabei nicht falsch sein. Irreführend kann bereits die visuelle Inszenierung sein. Wer eine Grafik beurteilt, sollte deshalb mindestens folgende Fragen stellen:
- Beginnt die y-Achse bei null – und falls nicht, ist der Achsenbruch deutlich erkennbar?
- Ist der dargestellte Wertebereich sachlich begründet?
- Werden gleiche Abstände auch als gleiche numerische Abstände gezeigt?
- Würde eine andere plausible Skalierung einen wesentlich anderen Eindruck erzeugen?
Ein langlebiges Lehrbeispiel
Der alte Klein-Singen-Link wurde noch Jahre später in Hochschul-Lehrmaterialien als Beispiel für eine irreführende Grafik zitiert. Gerade deshalb bleibt die ursprüngliche URL als permanenter Redirect auf diese rekonstruierte Seite erhalten.
Die allgemeine Lehre ist zeitlos: Bei Statistikgrafiken muss man nicht nur die Daten prüfen, sondern auch die visuelle Grammatik, mit der sie präsentiert werden.