Bilingualer Bereich

Grundlegende Definitionen

Begriffe rund um Einsprachigkeit, Zweisprachigkeit und Mehrsprachigkeit.

Grundlegende Definitionen

Gerade wenn es um Zweisprachigkeit geht, muss man die Begriffe sorgfältig gegeneinander abwägen. So assoziiert z.B. der Begriff "zweisprachig" bei vielen Menschen bereits eine populärwissenschaftlich geprägte Vorstellung, die meist von der linguistischen Bedeutung stark abweicht.

Auf der rechten Seite finden Sie Links, die zu den Definitionen der einzelner Begriffe führen.

Einsprachigkeit (monolingualism)

Wenn eine Person nur eine Sprache, also ihre Muttersprache beherrscht, bezeichnet man sie als einsprachig.

Solange jemand also keinerlei Kenntnisse einer anderen Sprache hat, ist jemand eindeutig einsprachig. Aber für einen großen Prozentsatz der Menschen gilt dies nicht. Irgendwann im Leben, sei es in der Schule, durch Wohnungswechsel oder durch Urlaubsreisen gewinnen sie Kenntnisse in einer anderen Sprache.

Aber wann genügen diese Kenntnisse, um jemanden als zweisprachig oder mehrsprachig zu bezeichnen? Wenn jemand z.B. in italienisch bitte und danke sagen kann, möglicherweise sogar noch bis zehn zählen kann, und sich ein Glas Wein bestellen kann, würden wir ihm wohl kaum diese Fähigkeit zusprechen.

Wie groß muss die sprachliche Kompetenz einer Person sein. Außerdem gibt es noch verschiedene sprachliche Ebenen, in denen sich die Kompetenz einer Person ausdrücken kann:

  • Verstehen
  • Sprechen
  • Lesen
  • Schreiben

Dazu auch die Erläuterungen zur Zweisprachigkeit: httpl://trans1/Terminologie/zweisprachig.txt

Zweisprachigkeit (bilingualism)

Der Begriff Zweisprachigkeit, bzw. zweisprachig, wird häufig mit recht unterschiedlicher Semantik versehen. Laien verstehen darunter meist die völlige Kontrolle über zwei verschiedene Sprachen, so dass die zweisprachige Person in beiden Sprachen wie ein Muttersprachler kommunizieren kann. Diese Definition stammt von dem amerikanischen Linguisten Leonard Blooomfield, die er im Jahre 1933 in seinem Buch "Language" formulierte.

Bloom's Sicht der Zweisprachigkeit deckt sich wohl auch mit der volkstümlichen Anschauung. Diese perfekte Zweisprachigkeit ist aus linguistischer Sicht jedoch zu eng gefasst, denn dadurch bleibt eine große Gruppe zwischen Einsprachigkeit und Zweisprachigkeit unkategorisiert.

Es finden sich viele Leute, die z.B zunächst als perfekt zweisprachig erscheinen, aber bei genauerer Betrachtung große Mängel in bestimmten sprachlichen Themenbereichen haben. Man stelle sich vor eine Person ist englisch und deutschsprachig. Sie wurde in England geboren und erzieht nun mit ihrem Partner ihre Kinder in Deutschland. Es ist klar, dass Sie nun alle medizinischen Begriffe, die in Zusammenhang mit ihren Kindern stehen, z.B. Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen meistens nur in Deutsch kennen lernt, da sie die Wörter als Baby in England nicht bewußt wahrgenommen hatte. Oder jemand beginnt in Deutschland mit einem neuen Hobby mit rein deutschsprachigen Freunden, dann ist es klar, dass diese Person sich die Fachbegriffe im Deutschen aneignet und nicht die englischen Entsprechungen lernt, außer sie machte sich ständig die Mühe, diese in einem Lexikon oder englischen Fachbuch nachzuschlagen. Letzteres ist wohl eher die Ausnahme.

Soll man eine Person, die eine zweite Sprache neben ihrer Muttersprache auf einem hohen Niveau beherrscht, z.B. nahezu jede Situation sprachlich meistern kann, aber dennoch einen starken Akzent hat, als einsprachig oder monolingual bezeichnen?

Dazu auch die Erläuterungen zur Zweisprachigkeit: httpl://trans1/020Terminologie/einsprachig.txt

Mehrsprachigkeit (multilingualism)

analog zu zweisprachig. Wird sehr häufig als Synonym zu zweisprachig benutzt, kann aber auch bedeuten, dass jemand in mehr als zwei Sprachen nahezu muttersprachliche Fähigkeiten hat.

Aber es gibt auch Menschen, die mühelos mehr als zwei Sprachen sprechen. Das bekannteste Beispiel hierzu ist wohl der Archäologe Heinrich Schliemann (1822 - 1890). Er wuchs in Deutschland auf, landete mit 19 oder 20 Jahren in Holland, wo er recht schnell holländisch lernte. Man sagt, dass ihm jeweils sechs Wochen genügt haben sollen, um weitere Sprachen wie Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Polnisch, Chinesisch usw. zu lernen. Wieviel Sprachen er wirklich lesen und schreiben konnte ist fraglich, die Angaben schwanken zwischen acht und bis weit über dreißig. Aber letzteres es natürlich unerheblich.