Blut in Schokolade?

© Leah-anne Thompson
Die Behauptung, Schokolade oder Nuss-Nougat-Creme enthalte Tierblut, gehört zu den langlebigen modernen Legenden. Sie wird in Gesprächen, E-Mails und Internetforen weitergegeben, obwohl für handelsübliche Schokolade keine entsprechenden Belege vorliegen.
Was Hersteller und Untersuchungen dazu sagten
Ferrero ließ Nutella im Jahr 2000 vom Institut Fresenius untersuchen. Nach der damaligen Stellungnahme enthielt das Produkt weder Blut noch Blutbestandteile; die verwendeten Zutaten seien in der Zutatenliste aufgeführt. Auch andere Hersteller erklärten auf Anfrage, dass ihre Schokoladenprodukte keine solchen Bestandteile enthielten.
Der Lebensmittelchemiker Reinhard Matissek schrieb 1995, dass zur Herstellung von Schokolade in Deutschland und der Europäischen Union weder Rinder- noch Schweineblut verwendet werde. Zu den traditionellen Zutaten gehören vielmehr Kakaomasse, Kakaobutter, Zucker und – je nach Sorte – Milchbestandteile.
Woher könnte das Gerücht stammen?
Als möglicher Ursprung werden ältere Forschungs- und Patentideen genannt. So soll versucht worden sein, Blutbestandteile zur Färbung oder zur Erhöhung des Eiweißgehalts von Lebensmitteln zu verwenden. Aus einer technischen Idee oder Patentanmeldung folgt jedoch nicht, dass ein Verfahren tatsächlich eingesetzt oder ein entsprechendes Produkt verkauft wurde.
Das Beispiel zeigt einen typischen Mechanismus moderner Legenden: Ein realer, aber eng begrenzter Ausgangspunkt wird verallgemeinert, mit Ekel oder Angst verbunden und anschließend ohne überprüfbare Quelle weitererzählt.
Entscheidend ist die Zutatenliste
Für ein konkretes Produkt ist nicht das Gerücht, sondern die gesetzlich vorgeschriebene Zutatenkennzeichnung maßgeblich. Menschen mit Allergien oder besonderen Ernährungsanforderungen sollten zusätzlich die Allergenhinweise und aktuellen Herstellerangaben beachten.
Historische Literatur: Reinhard Matissek: „Schweineblut in Schokolade? – Ein Horrormärchen“, Ärztliche Praxis, 11. Februar 1995.