Statistische Aussagen in der Alltagssprache
Bei Statistik denken viele Menschen zunächst an Tabellen, Diagramme und wissenschaftliche Untersuchungen. Tatsächlich verwenden wir jedoch täglich Wörter, die Häufigkeiten und Größenverhältnisse ausdrücken: alle, niemand, viele, wenige, meistens oder selten.
Allaussagen sind leicht zu widerlegen
Sätze wie „Niemand hilft mir“ oder „Alle Arbeitslosen sind faul“ sind Allaussagen. Ein einziges Gegenbeispiel genügt, um sie zu widerlegen. Meist ist eigentlich etwas Schwächeres gemeint, etwa:
- „Zu wenige Menschen helfen mir.“
- „Manche Arbeitslose lehnen bestimmte Stellen ab.“
- „In dieser Situation habe ich bisher keine Hilfe erhalten.“
Solche Formulierungen sind genauer, weil sie nicht mehr behaupten, ausnahmslos für jede Person oder jeden Fall zu gelten.
Unbestimmte Mengenbegriffe
Wörter wie „viele“ und „wenige“ sind weniger leicht zu widerlegen, aber auch ungenau. Ob ein Anteil von 20 Prozent bereits „viel“ ist, hängt vom Zusammenhang ab. Bei einer seltenen Nebenwirkung wären 20 Prozent außerordentlich viel; bei einer Wahlbeteiligung wären sie sehr wenig.
Wer überzeugen möchte, sollte daher nach Möglichkeit konkrete Bezugsgrößen nennen: Wie viele Fälle wurden betrachtet? Welcher Anteil ist gemeint? Mit welcher Vergleichsgruppe wird verglichen?
Präzision verbessert Argumente
Vor Wörtern wie „alle“, „keiner“, „jeder“ und „niemand“ lohnt sich eine kurze Prüfung. Ist die Aussage wirklich ausnahmslos gemeint? Falls nicht, machen Einschränkungen wie „manche“, „häufig“, „in dieser Stichprobe“ oder „unter diesen Bedingungen“ das Argument sachlich belastbarer.