Medizin & Evidenz

Was bedeutet „alternative Medizin“ – und welche begrifflichen und logischen Probleme stecken in dieser Bezeichnung?

Alternative und komplementäre Medizin

Schematische Einordnung medizinischer Verfahren

Die Begriffe Alternativmedizin, Komplementärmedizin und integrative Medizin werden nicht immer einheitlich verwendet. Sie bezeichnen keine geschlossene medizinische Lehre, sondern sehr unterschiedliche Verfahren und Vorstellungen.

Begriffe unterscheiden

  • Alternativ bedeutet, dass ein Verfahren anstelle einer etablierten Behandlung eingesetzt wird.
  • Komplementär bedeutet, dass es ergänzend zu einer etablierten Behandlung angewendet wird.
  • Integrativ bezeichnet den Versuch, konventionelle und ergänzende Verfahren in einem gemeinsamen, evidenzorientierten Behandlungskonzept zu verbinden.

Diese Bezeichnungen sagen noch nichts darüber aus, ob eine konkrete Methode wirksam oder sicher ist. Unter demselben Oberbegriff können sich gut untersuchte Maßnahmen, Verfahren mit unklarer Studienlage und wissenschaftlich unplausible Behauptungen befinden.

Entscheidend ist die Evidenz

Ein Verfahren wird nicht dadurch wirksam, dass es traditionell, natürlich oder ganzheitlich genannt wird. Ebenso ist eine Methode nicht schon deshalb ungeeignet, weil sie außerhalb der konventionellen Medizin entstanden ist. Entscheidend sind nachvollziehbare Wirkmechanismen, methodisch gute Studien, ein günstiges Verhältnis von Nutzen und Risiken sowie eine verlässliche Qualitätskontrolle.

Erbringt ein Verfahren belastbare Wirksamkeits- und Sicherheitsnachweise, kann es Bestandteil einer evidenzbasierten medizinischen Versorgung werden. Fehlen solche Nachweise, sollte dies offen benannt werden. Besonders problematisch ist die Bezeichnung „Alternative“, wenn dadurch der Eindruck entsteht, eine unzureichend geprüfte Methode sei einer nachweislich wirksamen Behandlung gleichwertig.

Ein bekanntes Beispiel ist die Homöopathie. Auch Verfahren wie Akupunktur oder pflanzliche Arzneimittel müssen nicht pauschal, sondern jeweils bezogen auf eine konkrete Erkrankung, Anwendung und Studienlage bewertet werden.