Bernd Klein · Album · sechs Kompositionen

Steps and Stones
Musik zwischen Landschaft, Geschichte und Erinnerung

Von den Trois Châteaux im Elsass über die Felswelten des Wallis bis in das Paris der Belle Époque: sechs Stücke als musikalische und filmische Reise durch Zeit und Raum.

Le roi et ces trois chateaux – Musik von Bernd Klein
Die viersätzige Symphonie bildet das Zentrum des Albums.

Steps and Stones verbindet sechs Kompositionen, die aus Begegnungen mit Orten, Landschaften und historischen Bildern entstanden sind. Das Album beginnt mit der viersätzigen Symphonie Le roi et ces trois chateaux und führt anschließend mit Sinvalaisphonie ins Wallis und mit Paris Walks in das Paris der Jahre 1896 bis 1900.

„Steps“ bezeichnet dabei nicht nur wirkliche Schritte, sondern Bewegung überhaupt: den Gang durch Landschaften, den Weg durch Geschichte und den Übergang zwischen musikalischen Welten. „Stones“ sind die Mauern der Burgen, die Felspyramiden des Wallis, das Matterhorn und die steinerne Architektur von Paris.

Ein Album – drei Bildwelten

Das Album folgt keiner durchgehenden Handlung. Seine Einheit entsteht aus einer gemeinsamen künstlerischen Haltung: Sichtbare Orte werden nicht dokumentarisch erklärt, sondern in Klang, Bewegung und Erinnerung verwandelt. Die vier Burgen-Sätze begegnen mittelalterlicher Geschichte und imaginierter Macht; Sinvalaisphonie betrachtet geologische Formen, Gesteinsformationen und Gebirge im Wallis wie rätselhafte Monumente; Paris Walks lässt frühe Filmaufnahmen und eine heutige Klavierkomposition miteinander in Dialog treten.

Steine bewahren Zeit. Musik setzt sie wieder in Bewegung.

Die sechs Stücke auf Steps and Stones

Nr.TitelMusikalische und visuelle Welt
1The King and These Three Castles – The KingDie drei Burgen über Eguisheim erscheinen als ferne, feierliche Silhouetten.
2The King and These Three Castles – Becoming the PopeBewegung, Aufstieg und die historische Spur von Bruno von Egisheim-Dagsburg, dem späteren Papst Leo IX.
3The King and These Three Castles – Enforcing CelibacyHohentwiel erweitert die Bildwelt: keine der drei Burgen, aber ein mächtiges Zeichen von Geschichte und Widerstand.
4The King and These Three Castles – The King and the PopeDas winterliche Hohentwiel wird zum monumentalen Schlussbild der Symphonie.
5SinvalaisphonieAlpine Felsformen, die Pyramides d’Euseigne und das Matterhorn zwischen Natur, Monolith und Verwandlung.
6Paris WalksEin Klavier begleitet restaurierte Filmaufnahmen aus dem Paris der Belle Époque.

Das Zentrum des Albums: dieser König und diese drei Burgen

Das französische ces bedeutet „diese“. Der Titel verweist also nicht auf drei beliebige oder lediglich erfundene Schlösser, sondern auf genau jene drei Burgen, die während der Entstehung der Musik über der elsässischen Landschaft standen.

Der König ist dagegen keine bestimmte historische Person. Er gehört zur imaginären Welt des Werkes. Er kann für vergangene Herrschaft stehen, für die Menschen, die einst in den Burgen lebten, oder für die Geschichte selbst, die in den Ruinen gleichzeitig anwesend und unerreichbar erscheint.

Die Burgen sind wirklich. Der König entsteht in der Musik.

Keine historische Nacherzählung

Die Symphonie versucht nicht, die Geschichte der drei Burgen chronologisch nachzuerzählen oder jeder Burg einen eigenen Satz zuzuordnen. Die Ruinen werden vielmehr zu einer inneren Landschaft: zu Bildern von Macht und Vergänglichkeit, Nähe und Ferne, Erinnerung und Fantasie.

Die vier Teile bilden einen Weg vom ersten Anblick über Bewegung und Versenkung bis zu einem monumentalen Schlussbild. Kurze Motive tauchen auf, verschwinden und kehren aus veränderter Perspektive zurück – ähnlich wie die Burgen beim Gehen immer wieder zwischen Landschaft und Vegetation sichtbar werden.

Die vier Teile

I

Die Landschaft öffnet sich

Der erste Teil beginnt langsam und feierlich in f-Moll. Dunkle Streicherfarben und beharrliche Tonwiederholungen lassen die Burgen zunächst als entfernte Silhouette erscheinen. Der Film zeigt Wahlenbourg, Dagsbourg und Weckmund über der elsässischen Ebene. Dagsbourg ist mit Bruno von Egisheim-Dagsburg verbunden, dem späteren Papst Leo IX.

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II

Der Weg zur Macht – Leo IX.

Der ausgedehnteste Teil bewegt sich überwiegend in einem schwingenden 6/8-Takt. Die Mauern scheinen im Rhythmus zu tanzen. Später kehrt ein Motiv des ersten Satzes im 4/4-Takt zurück und überlagert die fließende Bewegung. So entsteht der Eindruck zweier Welten: Elsass und Rom, weltliche Herkunft und geistliche Macht, Landschaft und Geschichte.

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III

Hohentwiel – kein König, aber eine majestätische Burg

Im dritten Teil tritt der Hohentwiel in den Mittelpunkt. Er gehört weder zum König noch zu den drei elsässischen Burgen. Als mächtige Festungsruine auf vulkanischem Gestein erweitert er jedoch die Idee des Werkes: Er wird zum Sinnbild vergangener Reiche, widerständiger Kraft und eines Vermächtnisses, das sich keiner Herrschaft vollständig unterordnet.

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IV

Hohentwiel im Winter

Im Finale wächst das Ensemble von sechs auf acht Stimmen. Der 9/8-Takt schafft eine weit ausschwingende Bewegung, die Dynamik steigert sich bis ins fff. Schneebedeckte Mauern und frostige Türme verwandeln den Hohentwiel in ein beinahe geisterhaftes Monument der Zeit – nicht als eine der drei Burgen, sondern als Bild von Widerstandskraft und fortdauernder Größe.

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Tonarten und Klangwelt

Das tonale Zentrum des Werkes ist f-Moll. Diese Tonart verbindet die vier Teile und gibt der Symphonie ihre dunkle, geschichtsbewusste Grundfarbe. Sie ist hier jedoch nicht nur melancholisch: Je nach Rhythmus, Dynamik und Instrumentation wirkt sie geheimnisvoll, dramatisch, archaisch oder monumental.

TeilTonaler SchwerpunktCharakter
If-Moll → C-Dur → f-MollFeierlich, kontrastreich, am Ende entschwindend
IIC-Dur → f-Moll/As-Dur → C-DurBewegt, heller, wandernd
IIIf-Moll mit As-Dur-FärbungenInnerlich, erinnernd, fließend
IVf-MollVerdichtet, monumental, kraftvoll

C-Dur bildet einen helleren Gegenraum: Gegenwart, Bewegung und die reale Landschaft. As-Dur, die Paralleltonart von f-Moll, vermittelt zwischen beiden Welten und bringt Wärme in die grundsätzlich dunklere Harmonik.

Die Melodik: musikalische Bilder statt langer Erzählung

Die Melodik ist stark motivisch gebaut. Kurze Figuren, Tonwiederholungen, kleine Schritte und plötzlich aufbrechende größere Intervalle prägen das Werk. Die Linien kreisen häufig um einen Zentralton, bevor ein Quart-, Quint- oder Oktavsprung den musikalischen Raum öffnet.

Dadurch entstehen weniger lange, gesangliche Themen als vielmehr wiederkehrende musikalische Bilder. Motive werden wiederholt, versetzt und aus einer anderen Perspektive beleuchtet. Besonders im letzten Teil wird die Melodie Bestandteil einer größeren Architektur: Sie gehört nicht mehr einer einzelnen Stimme, sondern wandert durch den gesamten Streichersatz.

Zwei Filme – dieselbe Musik

Die viersätzige Symphonie besitzt zwei unterschiedliche visuelle Fassungen. Der neuere Film kehrt zu den realen Orten und ihren historischen Vorstellungen zurück: zu den Trois Châteaux im Elsass, zu Papst Leo IX. und schließlich zum Hohentwiel.

Forgotten Castles, Timeless Power – vollständiger Film

Vollständiger Film · historische Burgen · vier Sätze

Forgotten Castles, Timeless Power

Die gesamte Symphonie als filmische Wiederentdeckung der elsässischen Burgen und des Hohentwiel – zwischen Geschichte, Landschaft und Mythos.

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Daneben gibt es eine frühere Fassung mit zwanzig unveränderten Gemälden von Vincent van Gogh. Auf den ersten Blick gehören Van Goghs Bildwelt und die Burgruinen bei Eguisheim nicht unmittelbar zusammen. Die Verbindung liegt für mich jedoch tiefer: Van Gogh bildet eine Landschaft nicht nur ab. Er verwandelt das Sichtbare durch Farbe, Rhythmus und Bewegung in eine innere, emotional verdichtete Landschaft.

Etwas Ähnliches geschieht in meiner Musik. Auch sie rekonstruiert die drei Burgen nicht historisch, sondern verwandelt ihren Anblick in Klang, Erinnerung und Vorstellung. Die wiederkehrenden Motive der Streicher begegnen den rhythmischen Pinselstrichen Van Goghs; harmonische Verdichtungen treffen auf seine leuchtenden Farbkontraste. Film und Musik erzählen deshalb nicht dieselbe äußere Geschichte. Sie teilen eine Art, Landschaft als seelischen Raum zu erfahren.

Neu entstanden Dramaturgie, Reihenfolge und Kamerabewegung; Van Goghs Gemälde selbst wurden nicht verändert.

Der König und die drei Schlösser – Film mit Gemälden von Vincent van Gogh

Alternative Filmfassung · zwanzig Originalgemälde

Van Gogh – Der König und die drei Schlösser

Dieselbe viersätzige Symphonie als Reise durch Van Goghs unveränderte Bildwelt.

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Zwei weitere Wege durch Stein und Zeit

Nach den vier zusammengehörenden Symphoniesätzen öffnet sich das Album in zwei neue Richtungen. Sinvalaisphonie führt in eine elementare alpine Welt, Paris Walks in die Bewegung einer historischen Stadt. Beide Stücke lösen sich vom König und seinen Burgen, führen aber den Gedanken des Albums weiter: Landschaft und Architektur tragen Erinnerung in sich, während Musik daraus eine neue Gegenwart entstehen lässt.

Track 5 · Orchesterstück · Wallis

Sinvalaisphonie

Der Titel Sinvalaisphonie ist ein Wortspiel, das Valais, den französischen Namen des Wallis, in den Klang und die Form des Wortes Symphonie einfügt. Die bewusste Endung lautet dabei -phonie. Die Partitur umfasst 98 Takte für zwei Flöten, Klarinette, zwei Trompeten und Streichorchester. Aus dunklen, tiefen Klangflächen wachsen zunehmend hellere Register. Breite langsame Abschnitte werden von schnellen, dramatischen Schüben unterbrochen; die Dynamik reicht vom kaum hörbaren pp bis zum massiven ff.

Die musikalische Entwicklung erinnert an die expressive Dichte von Schönbergs früher Klangwelt, an die dunkle Dramatik Pendereckis und schließlich an jene leuchtende, spirituelle Ruhe, die mit Arvo Pärt verbunden wird. Diese Bezugspunkte beschreiben keine stilistische Kopie, sondern den Weg des Stückes: von Schwere und Verdichtung zu Licht und Stille.

Akkorde, tonale Zentren und Melodieführung

Die Harmonik folgt keiner durchgehend funktionalen Kadenz. Stattdessen entstehen große tonale Felder, in denen besonders die Töne A, G, D und E als wechselnde Zentren wirken. Offene Quinten, übereinandergeschichtete Sekunden und Quarten sowie Akkorde mit hinzugefügten Tönen lassen die Klangflächen zugleich archaisch und modern erscheinen. Überwiegend diatonische Passagen werden durch Fis, Cis und einzelne weitere chromatische Töne aufgehellt oder verdunkelt. Der harmonische Eindruck verändert sich deshalb weniger durch klassische Modulationen als durch das Verschieben, Verdichten und Aufbrechen von Klangblöcken.

Auch die Melodie entwickelt sich zunächst nicht als langes geschlossenes Thema. Kurze Tonfolgen und kleine Schrittbewegungen wandern zwischen Flöten, Klarinette, Trompeten und Streichern. Wiederholte Töne wirken wie feste Punkte in der Landschaft; größere Intervallsprünge öffnen plötzlich den Raum. Im Verlauf des Stückes steigen Motive aus den tiefen Streichern in immer höhere Register. Die Melodieführung vollzieht damit denselben Weg wie der Film: von dunkler Erdenschwere über schroffe Formationen bis zur hellen Weite der Gipfel.

Der Film beginnt mit einem Sonnenaufgang über den Alpen und einer schwarzen Pyramide als bewusster Verbeugung vor 2001: A Space Odyssey. Daraus entwickeln sich die natürlichen Pyramides d’Euseigne und weitere säulenartige Felsformationen. Gegen Ende erscheint das Matterhorn als gewaltige natürliche Pyramide, bevor das Anfangsbild am Horizont wiederkehrt und den Kreis schließt.

ISRC: TCAJM2564615

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Track 6 · Klavier solo · Paris

Paris Walks

Das Schlussstück des Albums ist für Klavier solo geschrieben. Seine 47 Takte bewegen sich in einem ruhigen 4/4-Puls von ungefähr 80 Schlägen pro Minute. Wechselnde Dynamik, dialogische Figuren zwischen den Registern und triolische Bewegungen lassen unterschiedliche Schritte, Blicke und Zeitebenen durch die Stadt wandern.

Akkorde, Tonalität und Melodieführung

Das Tonmaterial bleibt nahezu vollständig auf die weißen Tasten des Klaviers beschränkt. Dadurch entsteht ein offener Raum zwischen C-Dur und a-Moll, dessen eigentliches Gravitationszentrum jedoch häufig auf E liegt. Besonders prägend ist der Wechsel zwischen e-Moll-Klängen über dem Basston E und F-Dur-Flächen über F. Das unmittelbare Nebeneinander von E und F verleiht der Musik eine leicht modale, bisweilen phrygisch gefärbte Spannung, ohne dass sie ihre Wärme verliert.

Die Akkorde erscheinen selten als einfache Dreiklänge. Durch zusätzliche Sekunden, Septimen und liegenbleibende Töne entstehen schwebende Vier- und Fünfklänge. Die Bassbewegung E–F wird später durch D und C erweitert; so verändert sich die Perspektive, während das diatonische Grundmaterial erhalten bleibt. Die Melodie bewegt sich meist schrittweise, kreist um E, G, A und B und öffnet sich nur gelegentlich in größere Sprünge. Triolen und kurze Figuren wechseln zwischen hohen und tiefen Registern. Dadurch wirkt die Linie wie ein Spaziergang: Sie geht weiter, bleibt stehen, schaut zurück und nimmt denselben Ort aus einem anderen Blickwinkel wahr.

Der Film zeigt restaurierte Aufnahmen der Lumière-Gesellschaft aus den Jahren 1896 bis 1900: Notre-Dame, die Pont de l’Alma, die Avenue des Champs-Élysées, die Place de la Concorde, eine vorbeifahrende Feuerwehr und den Jardin des Tuileries. Die Filme wurden auf ein natürlicher wirkendes Tempo verlangsamt und mit Verfahren von hdconvert.com KI-gestützt koloriert.

Die Musik illustriert die Bilder nicht Szene für Szene. Sie schafft einen Abstand zwischen damals und heute: Wir sehen wirkliche Menschen und Straßen aus der Frühzeit des Films, hören dazu jedoch eine heutige Komposition. So wird der Spaziergang zugleich historisches Dokument und persönliche Erinnerung an eine Stadt, die sich ständig verändert.

ISRC: TCAJM2564594

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Albuminformationen

Albumtitel
Steps and Stones

Komposition
Bernd Klein

Umfang
Sechs Tracks: vier Symphoniesätze und zwei eigenständige Kompositionen

Besetzungen
Streichensemble, Orchester und Klavier solo

Orte und Bildwelten
Elsass, Hohentwiel, Wallis und Paris

Filme
Visuelle Konzeption und Bearbeitung: Bernd Klein

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