01Promenade IAuf YouTube ansehen →Die erste Promenade eröffnet den Rundgang; sie beschreibt kein einzelnes Hartmann-Bild. In meinem Film betritt eine Mussorgsky ähnelnde Figur eine imaginierte Galerie, in der meine neu geschaffenen Bilder hängen.
KleinTones · 4K-Kunstfilm
Modest Mussorgskis Reise durch Kunst, Erinnerung und musikalische Vorstellungskraft — neu gedacht als filmische Galerie.
Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung entstand 1874 als Klavierkomposition. Diese ursprüngliche Fassung für Klavier solo bildet die musikalische Grundlage meines Films — nicht die später entstandene und heute ebenfalls sehr bekannte Orchesterfassung von Maurice Ravel.
Mussorgskis Werk ist Musik über Bilder — entstanden aus Erinnerung, Trauer und Vorstellungskraft. Dieser Film versucht, den Weg in umgekehrter Richtung zu gehen: die Musik wieder in Bilder zu verwandeln.
Nicht als Rekonstruktion der verlorenen Werke Viktor Hartmanns, sondern als Vorstellung einer neuen visuellen Welt — einer imaginären Galerie, in der Mussorgskis Musik erneut zu Bildern werden kann.

Modest Mussorgsky schrieb Bilder einer Ausstellung im Jahr 1874 nach dem frühen Tod seines Freundes Viktor Hartmann. Hartmann war nicht nur Maler und Zeichner, sondern auch Architekt, Bühnenbildner und Gestalter von Kostümen und kunsthandwerklichen Gegenständen. In seinen Entwürfen verband er häufig russische Traditionen mit einer fantasievollen, teilweise märchenhaften Bildwelt.
Mussorgsky und Hartmann hatten sich im künstlerischen Kreis um den einflussreichen Kritiker Wladimir Stassow kennengelernt. Mussorgsky gehörte zur Gruppe der sogenannten „Fünf“, die nach einer eigenständigen russischen Musiksprache suchten. Hartmann verfolgte in der bildenden Kunst ein vergleichbares Ziel. Aus ihrer gemeinsamen Beschäftigung mit russischer Geschichte, Volkskultur und Märchenwelt entwickelte sich eine enge Freundschaft.
Hartmann starb 1873 im Alter von nur neununddreißig Jahren plötzlich an einem Aneurysma. Sein Tod erschütterte Mussorgsky tief. Im folgenden Jahr veranstaltete Stassow in Sankt Petersburg eine große Gedächtnisausstellung mit mehreren Hundert Arbeiten Hartmanns: Zeichnungen, Aquarellen, Architekturentwürfen, Bühnenbildern, Kostümen und kunsthandwerklichen Objekten.
Mussorgsky besuchte diese Ausstellung. In kurzer Zeit komponierte er daraufhin seinen Klavierzyklus Bilder einer Ausstellung. Die einzelnen Sätze sind jedoch keine bloßen musikalischen Beschreibungen. Mussorgsky verwandelte Hartmanns Motive in eigenständige musikalische Charaktere, Szenen und Bewegungen. In den Promenaden hören wir zudem gewissermaßen den Komponisten selbst, wie er von einem Bild zum nächsten geht und das Gesehene innerlich verarbeitet.
Wer das Werk heute mit Hartmanns Bildern visualisieren möchte, steht allerdings vor einem grundlegenden Problem: Viele der Arbeiten, auf die Mussorgsky reagierte, sind nicht mehr erhalten oder lassen sich nicht zweifelsfrei einem bestimmten Satz zuordnen. Von anderen existieren lediglich historische Reproduktionen, deren fotografische Qualität und Auflösung für einen bildfüllenden 4K-Film nicht ausreichen.
Eine vollständige visuelle Rekonstruktion der damaligen Ausstellung war deshalb weder kunsthistorisch noch technisch möglich. Die erhaltenen Werke Hartmanns bleiben wichtige und faszinierende Ausgangspunkte. Für meinen Film konnten sie jedoch nicht die gesamte Bildwelt liefern, die Mussorgskys Musik in meiner Vorstellung entstehen lässt.
So wurde aus einer praktischen Begrenzung zugleich eine künstlerische Entscheidung:
Diese Musik brauchte für mich eine neue visuelle Welt.
Also begann ich, die Bilder neu zu imaginieren. Dabei suchte ich nicht nach einem einheitlichen historischen Stil, sondern nach Eigenschaften von Malern, deren Werke mich seit langem beschäftigen.
Von Joseph Mallord William Turner wollte ich etwas von seinem außergewöhnlichen Licht, seiner Atmosphäre und der Auflösung fester Formen. Von Caspar David Friedrich die Stille, die Distanz, die monumentale Weite und das Gefühl eines Menschen, der etwas gegenübersteht, das größer ist als er selbst. Und von Vincent van Gogh eine subtilere Spur: Bewegung, nervöse Energie und lebendige Textur.
Das Ziel war jedoch nie, Turner, Friedrich oder Van Gogh nachzuahmen. Während der Arbeit entwickelte sich nach und nach eine eigene Bildsprache — eine Welt, die historisch nie existiert hat, für mich aber immer stärker mit Mussorgskys Musik verbunden war.
Der Klavierzyklus besteht aus zehn Sätzen, die sich unmittelbar auf Arbeiten Viktor Hartmanns beziehen. Doch zwischen diesen Bildern geschieht noch etwas anderes.
Mussorgsky komponierte mehrere Promenaden. In ihnen hören wir gewissermaßen nicht eines der ausgestellten Werke, sondern Mussorgsky selbst: seinen Gang durch die Galerie, von Bild zu Bild.
Die Promenade ist deshalb mehr als ein musikalisches Zwischenspiel. Sie verbindet die einzelnen Bilder und verändert sich dabei immer wieder. Mussorgsky geht weiter, aber das zuvor Gesehene begleitet ihn.
Fünf Abschnitte sind ausdrücklich als Promenade bezeichnet. Später kehrt das Thema innerhalb anderer Sätze wieder, besonders eindrucksvoll in Cum mortuis in lingua mortua und im Finale.
Für meine filmische Interpretation wurde diese Unterscheidung entscheidend: Die zehn Bildsätze konnten jeweils ihre eigene visuelle Welt erhalten. Die Promenaden dagegen eröffneten die Möglichkeit, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen.
Aus diesem Gedanken entstand die Idee, Mussorgsky selbst in meinen Film treten zu lassen — genauer gesagt eine Figur, die ihm ähnelt. Er betritt eine imaginierte Galerie des 19. Jahrhunderts. An den Wänden hängen jedoch nicht Hartmanns historische Werke, sondern die neu geschaffenen Bilder meines Films.
Damit entstand eine zweite Ebene der Erzählung: Wir sehen nicht nur die Bilder, auf die Mussorgskys Musik reagiert. Wir begleiten auch den Komponisten auf seinem Weg durch die Ausstellung.
Technisch gehörten diese Szenen zu den schwierigsten Teilen des Projekts. Die Gemälde mussten glaubwürdig in den Rahmen erscheinen. Perspektive, Größe und Winkel der Bilder, Licht und Schatten sowie die Position der Mussorgsky-Figur mussten sich zu einem überzeugenden Raum verbinden.
Mussorgsky durch eine Ausstellung gehen zu sehen erklärt das Äußere. Aber was geschieht im Inneren eines Menschen, wenn aus einem gesehenen Bild Musik entsteht?
Natürlich können wir nicht wissen, was Mussorgsky tatsächlich dachte oder empfand. Mein Film behauptet das auch nicht. Er versucht vielmehr, diesen schöpferischen Vorgang als filmische Vorstellung sichtbar zu machen.
Zu Beginn bleibt die Galerie noch relativ realistisch. Doch in den späteren Promenaden beginnt sich etwas zu verändern. Für einen kurzen Augenblick erscheint ein Klavier in einem der Bilder und verschwindet wieder. An anderer Stelle tauchen Klaviertasten oder instrumentale Formen in der Bildwelt auf.
In Promenade III sind diese Erscheinungen noch flüchtige Gedankenblitze. In Promenade IV werden sie stabiler. Die Grenze zwischen Galerie, Erinnerung und musikalischer Vorstellung beginnt sich aufzulösen.
Schließlich erreicht Mussorgsky in Promenade V einen wirklichen Flügel. Er setzt sich. Auf dem Klavier liegen keine Noten. Er beginnt zu spielen.
Die Bilder sind zu Musik geworden.
In dieser Videoreihe ergeben sich fünfzehn Teile: zehn Bildsätze und fünf ausdrücklich bezeichnete Promenaden. Katakomben und Cum mortuis in lingua mortua bilden dabei einen gemeinsamen Film.
Meine Bilder sind freie Neuinterpretationen und keine Nachbildungen von Hartmanns Originalen. Wo historische Vorlagen erhalten sind, bilden sie den Ausgangspunkt der Erläuterung. Bei verlorenen Arbeiten stützen sich die Beschreibungen auf die überlieferten Hinweise. Die Texte unter den Vorschaubildern unterscheiden deshalb bewusst zwischen dem historischen Ausgangspunkt und meiner visuellen Umsetzung.
01Promenade IAuf YouTube ansehen →Die erste Promenade eröffnet den Rundgang; sie beschreibt kein einzelnes Hartmann-Bild. In meinem Film betritt eine Mussorgsky ähnelnde Figur eine imaginierte Galerie, in der meine neu geschaffenen Bilder hängen.
02Gnomus — Der GnomAuf YouTube ansehen →Die überlieferte Vorlage zu Gnomus war ein Entwurf für einen Nussknacker in Gestalt eines grotesken Gnoms. Mein Film macht daraus eine fantastische Figur in einer weiten, unheimlichen Landschaft: Die schroffen musikalischen Gesten bestimmen die Atmosphäre.
03Promenade IIAuf YouTube ansehen →Die zweite Promenade führt den Spaziergang fort, nun verändert durch die erste Begegnung mit einem Bild. Meine Galerie zeigt den betrachtenden Komponisten zwischen den neu imaginierten Gemälden und macht aus dem musikalischen Übergang eine sichtbare Bewegung.
04Das alte SchlossAuf YouTube ansehen →Der historische Ausgangspunkt wird als Darstellung eines alten italienischen Schlosses beschrieben; die Musik lässt an den Gesang eines Troubadours denken. Meine freie Schlosslandschaft entfaltet diese melancholische Stimmung durch Licht, Distanz und eine langsam erkundete Architektur.
05Promenade IIIAuf YouTube ansehen →Diese kurze Promenade führt zum nächsten Bild. Im Film beginnt die Galerie sich mit musikalischen Gedanken zu überlagern: Flüchtige Klavierformen lassen die Verwandlung von Wahrnehmung in Musik anklingen.
06TuilerienAuf YouTube ansehen →Die überlieferte Beschreibung der Tuilerien-Vorlage verweist auf Kinder und ihre Begleiter im Pariser Garten. Meine neu entworfene Gartenszene übersetzt das Spielen und Streiten in eine eigene Bildwelt, deren Unruhe den schnellen musikalischen Gesten entspricht.
07Bydło — Der OchsenkarrenAuf YouTube ansehen →Bydło wird mit einem schweren polnischen Ochsenkarren verbunden. Mein Film setzt dieses Motiv in eine weite Landschaft: Das Gewicht der Musik und das allmähliche Näherkommen und Verschwinden werden zu einer filmischen Erfahrung von Bewegung und Entfernung.
08Promenade IVAuf YouTube ansehen →Die vierte Promenade verbindet den schweren Eindruck von Bydło mit den folgenden leichteren Szenen. In meiner Galerie werden die musikalischen Verwandlungen beständiger; die Grenze zwischen betrachteten Bildern und der Vorstellung des Komponisten löst sich weiter auf.
09Ballett der unausgeschlüpften KükenAuf YouTube ansehen →Hartmanns erhaltene Vorlage ist ein Kostümentwurf für ein Ballett, mit Figuren in Eierschalen. Ich übertrage diesen Theaterentwurf in eine fantastische Szene, in der Küken, Bewegung und Licht die federleichte, humorvolle Musik aufnehmen.
10Samuel Goldenberg und SchmuÿleAuf YouTube ansehen →Dieser Satz geht auf zwei Porträts zurück, die traditionell mit einem wohlhabenden und einem armen jüdischen Mann verbunden werden. Meine Bildwelt stellt ihre gegensätzlichen Charaktere als Begegnung dar; breite, bestimmende und nervöse, drängende musikalische Stimmen treten miteinander in Spannung.
11Promenade VAuf YouTube ansehen →Die fünfte und letzte ausdrücklich bezeichnete Promenade führt in den Schlussabschnitt des Zyklus. In meinem Film erreicht Mussorgsky einen Flügel und setzt sich ohne Noten: Aus dem Gang durch die Bilder wird das Spielen aus Erinnerung und Vorstellung.
12Limoges — Der MarktAuf YouTube ansehen →Der historische Ausgangspunkt ist eine Marktszene in Limoges, deren musikalisches Gegenstück voller Stimmen und lebhafter Bewegung ist. Mein Bild erweitert sie zu einem dicht bevölkerten, lichtdurchfluteten Platz und folgt der rastlosen Energie des Satzes.
13Katakomben & Cum mortuisAuf YouTube ansehen →Hartmanns erhaltenes Aquarell zeigt einen Besuch in den Pariser Katakomben. Meine Interpretation entfaltet daraus eine düstere, räumlich weite Welt des Gedenkens. In Cum mortuis verwandelt sich das Promenaden-Thema: Der Rundgang wird zur inneren Begegnung mit den Toten.
14Baba Jaga — Die Hütte auf HühnerfüßenAuf YouTube ansehen →Hartmanns Vorlage war ein Uhrenentwurf in Form von Baba Jagas Hütte auf Hühnerfüßen. Mein Film löst die Hütte aus diesem Gegenstand und setzt sie in eine wilde, fantastische Landschaft. Die heftigen Rhythmen treiben die Szene fast ohne Pause zum Finale.
15Das große Tor von KiewAuf YouTube ansehen →Hartmann entwarf ein monumentales Stadttor für Kiew; der Entwurf wurde nicht gebaut. Mein Film verwandelt die Architekturzeichnung in eine leuchtende, belebte Vision. Majestätische Akkorde, Glockenklänge und das wiederkehrende Promenaden-Thema geben dem Schluss seine Größe.
Für die Entstehung dieser visuellen Welt habe ich generative KI intensiv eingesetzt — aber nicht als Abkürzung. Die Bilder entstanden nicht durch einen einzigen Prompt.
Über viele Tage entwickelte sich ein iterativer Prozess: erzeugen, betrachten, verwerfen, verändern und erneut versuchen. Hunderte von Bildern entstanden. Die meisten wurden nie verwendet.
Immer wieder mussten Komposition, Perspektive, Licht, Atmosphäre, Figuren, Architektur oder einzelne Details verändert werden. Manchmal war ein Bild technisch beeindruckend, aber emotional falsch. Manchmal stimmte die Atmosphäre, während die Komposition nicht funktionierte. Und manchmal erschien nach vielen erfolglosen Versuchen plötzlich etwas, das sich richtig anfühlte.
Die KI erzeugte Möglichkeiten. Der kreative Prozess bestand darin, zu entscheiden, welche davon meiner Vorstellung entsprachen — und welche nicht.
Mit der Erzeugung der Einzelbilder war der Film noch lange nicht fertig. Nun mussten Bewegung, Zeit und Musik zusammenfinden.
Kamerafahrten, Zooms, Übergänge, Geschwindigkeit und Schnitt wurden für die einzelnen Sätze entwickelt und mit der musikalischen Struktur synchronisiert. Ich wollte nicht einfach Bilder zeigen, während im Hintergrund Musik läuft. Bild und Musik sollten miteinander atmen.
Manchmal sollte ein Gemälde lange genug stehen bleiben, um wirklich betrachtet werden zu können. Manchmal sollte die Kamera langsam auf ein Detail zufahren. An anderen Stellen sollte die visuelle Bewegung unmittelbar auf Spannung, Rhythmus oder einen musikalischen Übergang reagieren.
Generative KI war tief in die Herstellung des visuellen Materials eingebunden. Das möchte ich weder verbergen noch kleinreden. Aber den Film deshalb einfach als „von KI geschaffen“ zu bezeichnen, würde einen wesentlichen Teil des Prozesses ausblenden.
Für mich ist deshalb nicht nur die Frage interessant, ob KI verwendet wurde. Interessanter ist die Frage, ob hinter einem Werk eine Idee, Vorstellungskraft, Urteilskraft, bewusste Entscheidungen und eine persönliche Vision stehen.
Für die Musik wollte ich bewusst zu Mussorgskys ursprünglicher Konzeption zurückkehren. Bilder einer Ausstellung wurde für Klavier solo geschrieben — auch wenn viele Menschen das Werk heute ebenso durch Orchesterfassungen kennen, insbesondere durch Maurice Ravels berühmte Orchestrierung von 1922.
Grundsätzlich hätte ich einzelne Teile selbst spielen können. Einige Sätze hatte ich bereits in meiner Jugend gespielt. Aber ich hatte das Werk seit vielen Jahren nicht mehr gespielt. Den gesamten Zyklus auf dem Niveau vorzubereiten und aufzunehmen, das ich für diesen Film wollte, hätte sehr viel Übung und Zeit erfordert.
Dann entdeckte ich die Aufnahme von Chiara Bertoglio. Für mich ist ihr Spiel eine wunderbare Interpretation von Mussorgskys Werk: präzise, fantasievoll, ausdrucksstark und voller musikalischen Charakters. Ich glaube nicht, dass ich hätte erreichen können, was sie in dieser Aufnahme erreicht.
Besonders dankbar bin ich dafür, dass diese hervorragende Aufnahme unter einer Creative-Commons-Attribution-3.0-Lizenz veröffentlicht wurde.
Für viele Menschen meiner Generation führte der Weg zu Mussorgsky nicht über den Konzertsaal. Er führte über Progressive Rock.
1971 veröffentlichten Emerson, Lake & Palmer ihre Live-Bearbeitung von Pictures at an Exhibition. Sie übertrugen ausgewählte Teile des Werkes in ihre eigene musikalische Welt — mit Hammond-Orgel, Synthesizern, Bass, Schlagzeug, Gesang und neu komponierten Passagen.
Natürlich machten ELP Mussorgsky nicht erst berühmt. Bilder einer Ausstellung war in der klassischen Musikwelt längst etabliert, und Ravels Orchestrierung von 1922 hatte entscheidend dazu beigetragen, das Werk international bekannt zu machen. Auch für ELP selbst war das Album nicht der Beginn ihres Erfolgs: Ihr Auftritt beim Isle-of-Wight-Festival 1970, das Debütalbum und Tarkus gingen ihm bereits voraus.
Aber Pictures at an Exhibition tat etwas anderes: Es öffnete einer Generation von Rockhörern eine Tür zu Mussorgsky. Und zu diesen Hörern gehörte ich.
Ich entdeckte Bilder einer Ausstellung ungefähr mit fünfzehn Jahren — zunächst nicht durch Mussorgskys ursprüngliche Klavierfassung, sondern durch Emerson, Lake & Palmer. Das Album faszinierte mich und wurde für eine Zeit zu einem meiner Lieblingsalben.
Erst später wandte ich mich intensiver Mussorgskys ursprünglicher Klavierkomposition zu. Ich spielte selbst Teile des Werkes, besonders einige der Sätze, die mir am meisten bedeuteten. Den gesamten Zyklus habe ich nie aufgeführt. Aber die Musik blieb.
Im Lauf der Jahrzehnte rückte sie zeitweise in den Hintergrund. Doch sie gehörte weiterhin zu meinem musikalischen Gedächtnis. Viele Jahre später begann ich, Filme zu Musik und Malerei zu gestalten — über Turner, Caspar David Friedrich, Van Gogh und Klimt.
Und irgendwann kehrte dabei eine alte Frage zurück:
Wie sahen eigentlich die Bilder aus, aus denen Mussorgskys Musik entstanden war?
Mit dieser Frage begann das Projekt, das schließlich zu diesem Film führte.
Dieser Film ist meine Antwort auf eine Musik, die mich seit meinem fünfzehnten Lebensjahr begleitet.
Es begann mit Mussorgsky. Unterwegs kamen Viktor Hartmann, Emerson, Lake & Palmer, Turner, Caspar David Friedrich, Van Gogh, Jahrzehnte eigener Musikerfahrung und meine jüngere Arbeit mit visueller Kunst und Film hinzu.
Mehr als fünfzig Jahre nachdem ich diese Musik zum ersten Mal entdeckt habe, ist daraus in meiner Vorstellung etwas Neues geworden:
eine Galerie, die nie existiert hat,
Bilder, die nie existiert haben,
und vielleicht ein Blick auf einen schöpferischen Moment, den wir niemals wirklich beobachten können —
den Moment, in dem Bilder zu Musik werden.
Bilder einer Ausstellung wurde 1874 von Modest Mussorgski — auch Mussorgsky geschrieben — für Klavier solo komponiert. Diese Klavierfassung ist das ursprüngliche Werk und bildet auch die musikalische Grundlage meines Films.
Die heute außerordentlich bekannte Orchesterfassung von Maurice Ravel entstand erst 1922, fast fünfzig Jahre später. Ravel komponierte also nicht Bilder einer Ausstellung, sondern orchestrierte Mussorgskis Klavierzyklus.
Seine Fassung prägte allerdings entscheidend, wie das Werk im 20. Jahrhundert wahrgenommen wurde. Viele Hörer kennen heute zunächst Ravels Orchesterklänge und entdecken erst später Mussorgskis ursprüngliche, teilweise wesentlich rauere und unmittelbarere Klavierfassung.
Musik
Modest Mussorgsky — Bilder einer Ausstellung
Klavier
Chiara Bertoglio
Quelle der Aufnahme
IMSLP, Datei #251520
Lizenz der Aufnahme
Creative Commons Attribution 3.0 (CC BY 3.0)
Visuelles Konzept, künstlerische Leitung & Film
Bernd Klein
KI-unterstützte visuelle Gestaltung
Entwickelt in einem umfangreichen iterativen Prozess aus Generierung, Auswahl, Korrektur und Verfeinerung von Bernd Klein mit OpenAI ChatGPT.
Visuelle Sprache inspiriert von
Joseph Mallord William Turner
Caspar David Friedrich
Vincent van Gogh
Mussorgskys ursprüngliche Komposition ist gemeinfrei.
Untertitel sind auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Türkisch verfügbar.
LA Phil — Pictures at an Exhibition · Emerson, Lake & Palmer — Timeline