Mythen & Wissenschaftsgeschichte

Eine populäre Geschichte über Alfred Nobel, Mathematiker und angebliche Eifersucht – und was an ihr problematisch ist.

Warum gibt es keinen Nobelpreis für Mathematik?

Seit 1901 werden die von Alfred Nobel gestifteten Preise vergeben. Nobel nannte in seinem Testament die Gebiete Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Friedensarbeit. Mathematik gehörte nicht dazu.

Eine verbreitete Legende

Häufig wird behauptet, Nobel habe die Mathematik ausgeschlossen, weil seine Ehefrau oder Geliebte eine Beziehung mit dem Mathematiker Gösta Mittag-Leffler gehabt habe. Für diese Geschichte gibt es keine belastbaren Belege. Nobel war nie verheiratet, und auch eine entsprechende Beziehung zwischen Mittag-Leffler und einer Partnerin Nobels ist nicht dokumentiert.

Mitunter wird die russische Mathematikerin Sofja Kowalewskaja in die Legende einbezogen. Nobel lernte sie kennen und soll sie umworben haben. Eine Affäre zwischen beiden oder ein Zusammenhang mit der Entscheidung gegen einen Mathematikpreis ist jedoch nicht belegt.

Was lässt sich tatsächlich sagen?

Nobel begründete in seinem Testament nicht, warum er gerade diese fünf Gebiete auswählte. Daher lässt sich seine Entscheidung nicht sicher erklären. Naheliegend ist, dass er Preise für Bereiche stiften wollte, die nach seiner Vorstellung unmittelbar zum Nutzen der Menschheit beitrugen. Dies bleibt jedoch eine Interpretation und kein nachgewiesener Beweggrund.

Mathematiker und der Wirtschaftspreis

Mathematische Arbeiten wurden dennoch ausgezeichnet. John F. Nash erhielt 1994 gemeinsam mit John C. Harsanyi und Reinhard Selten den von der schwedischen Reichsbank gestifteten Preis für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel. Ausgezeichnet wurden ihre Arbeiten zur nichtkooperativen Spieltheorie. Dieser Wirtschaftspreis wurde erst 1968 eingerichtet und gehört nicht zu den ursprünglich von Alfred Nobel gestifteten Preisen.


Sofja Kowalewskaja (1850–1891) war eine bedeutende Mathematikerin. Bekannt ist die Erzählung, dass in ihrem Kinderzimmer Vorlesungsskripte zur Differential- und Integralrechnung als Tapetenersatz verwendet wurden. Ihre mathematischen Leistungen entstanden selbstverständlich nicht durch diese ungewöhnliche Dekoration, sondern durch Studium und wissenschaftliche Arbeit.